50 Stunden durch den Indian Summer Russlands
50 Stunden mit der Transibirischen Eisenbahn – Von Moskau nach Nowosibirsk
13:10 in Moskau. Bahnsteig 5, Wagon 11, Plätze 25 und 26. Der Zug nimmt langsam Fahrt auf und unser erster Trip entlang der Transsibirischen Strecke beginnt. Unser Ziel: Nowosibirsk. Wir sitzen in einem Abteil mit 4 Betten (Kupe) und beobachten die Vorstadt von Moskau. Uns gegenüber sitzt ein Russe, geschätzte 40 Jahre alt, der nach unserer Herkunft fragt. „Vienna, Austria!“
„Ahh, Zugspitze!“ Pantomimisch deutet er uns die Fahrt mit einer Gondel. Ich finde ihn sympathisch und möchte ihn nicht korrigieren. Immerhin ist die Zugspitze in der Nähe von Österreich. Der vierte Platz bleibt leer.
50 Stunden Fahrt liegen vor uns und irgendwie schreckt uns das nicht. Wir hatten einen Traum und den leben wir jetzt: Transsibirische Eisenbahn!
Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, die nicht vorhandene Klimaanlage streikt. Das Thermometer im Zug zeigt 30°C an. Der Russe zieht sein Hemd aus. Ich mache es ihm gleich. FKK im Zug nach Ulan Ude, der finalen Destination des Zuges mit der Nummer 82.
Ein Gerät, auf das Doc aus „Zurück in die Zukunft“ stolz gewesen wäre, spendet uns heißes Wasser für unsere mitgebrachten Instantnudeln. Reine Chemie, gut abgeschmeckt und eine kleine Mahlzeit für €0,50.
Während uns der Russe (wir haben keine Namen ausgetauscht) einheimische Volks, – und Popmusik (durchaus eingängig) vorspielt, läuft eine Dame aufgedreht wie ein Duracell Häschen den Gang entlang und versucht diverse Produkte zu verkaufen.
Ich hole drei Bier. Die Hitze macht mich verrückt. Zwei für uns, eines für den Russen. Er verneint höflich. 360 Rubel für drei Bier. Nicht billig, aber ein wahrer Segen. Die obligatorische Zigarette zwischen den Wagonen darf auch nicht fehlen.
Die erste Nacht verläuft ruhig. Im oberen Bett herrscht Hochsommer. Ein Leintuch reicht als Decke. Der Russe schläft vor seinem alten Laptop ein. Meine Freundin legt den Kindle auf die Seite. Gute Nacht!
Indian Summer in Russland
Ich mache die Augen auf und blicke auf die Uhr. Es ist 12:36 Uhr und wir haben mittlerweile den Ural erreicht. Geschlafen habe ich wie ein Murmeltier. Der Nacken ist steif. Ich blicke aus dem Fenster uns sehe eine unfassbare schöne Landschaft. Alleine die Bahngleise bilden eine Schneise in die uns umgebenden Wälder. Das Blattwerk zeigt seine prächtigsten Farben, bevor es den Winterschlaf antritt. Die Farbe Gelb dominiert in all ihren Facetten. Grün und Rot eifern um den 2. Platz. Kein Foto dieser Welt, kein Gemälde, kann diesen Moment festhalten. Die bezaubernde Schönheit der russischen Natur ist berührend.
Wir machen uns ein Frühstück und beobachten die Landschaft. Brot, Eier, Tomaten und eine Zwiebel müssen reichen. Nur nicht zu viel essen. Die russischen Toiletten laden nicht zu einem langen Verweilen ein.
Es folgen mehrere Nickerchen, die Playlist meines mp3 Players habe ich rauf und runter gehört. Chuck Berry, The Bones, Against Me! Toll!
Die schier unendliche Weite Russlands ruft Fernweh hervor. Ich muss mich wieder fassen und realisieren, dass ich mich auf Weltreise befinde und einen Traum lebe. Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn! Und jetzt passiert es!
Der Russe verlässt uns in Omsk. Ich bin wieder am schlafen und merke es erst gar nicht. Die letzten Stunden begleitet uns ein junge russische Frau, die keinen Anspruch hegt einen kulturellen Austausch zu vollziehen. Sie macht sich ihre Fingernägel und trinkt einen Kaffee.
In 20 Minuten erreichen wir Nowosibirsk, die Hauptstadt Sibiriens. Ex-Sowjetische Bunker begrüßen uns. „Schatz, wieso wolltest du hier her?“ „Weil mir der Name gefällt“. Alles klar. Am Bahnhof begrüßt uns unsere Gastgeberin, die uns über Couchsurfing eingeladen hat. Gott sei Dank, für mich ist Nowosibirsk ein grauer Dschungel und das ECHTE Russland. Über unseren Aufenthalt in der drittgrößten Stadt des Landes gibt es in den nächsten Tagen einen Artikel.
Stay Tuned!









sehr geil thomas, sitz hier auf meinem arbeitsplatz und bekomme fernweh. schöne reise und brav weiterposten, das youtube video geht nur leider nicht weil du es auf privat gesetzt hast
Danke Alter! Habe etwas umgstellt, sollte jetzt klappen. Danke für die Info und Grüße an alle in mein geliebtes Wien!
Cooler Bericht. Diese Instand-Nudeln konnte ich am Ende der Reise nicht mehr sehen
Danke!
Und: wem sagst du das…